DEr stich aber seind fürnemlich drey, auß welchen die andern alle entspringen und herfliessen, Nämlich, der Erste
von Oben, der ander von Unden, deren ein jeder von beiden seiten gemacht wirt, Der drit geht von deiner
mitte gerad von dir hin in das Lang ort, aus disen dreyen Hauptstichen, will ich dir etliche so auß den selbigen wie
gemelt hieher setzen, auß welchen du alle andere stich genugsam verstehn und lehrnen können würst, Den Oberstich
aber welcher auß dem rechten Ochsen gegen des Manns gesicht oder brust gericht soll werden, treib also, schicke
dich in die Oberhut des rechten Ochsen von der du oben gelehrt bist, erhebe alda dein rechten fuß zu einem fürtritt
und gleich mit solcher erhebung deines Fußes, zucke dein gefäß, auf deiner Rechten Achsel hindersich zuruck,
zu erholung eines starcken stosses, von dannen stich mit einem weiten zuschritt, deines erhebten fuß gegen seiner brust
zu, aber in dem solcher stich eben antreffen solle, so wende die Lang schneyd schintsweise undersich gegen deiner
Lincken, also das du nach endt des stichs, mit deim vordern Kni wol fürsich gebogen, und dem Oberleib wol darüber
fürsich dem stich nach gegen der erden gesenckt seyest, und das nach volendung des stichs dein Kling mit außgefirecktem[!]
arm langs vor deim fust, im herab schneiden auff die erden komst, von dannen fahre mit langer schneyd
und erholtem fuß wider ubersich in dem rechten Ochsen, aller dings, wie du anfangs gestanden bist, das geht zu beiden seitten.
Ⅱ.61r.3
37.1linked passage
37.2
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DIsen lerne erstlich uber die hand von deiner Lincken also stechen, schicke dich in die hut des Lincken Ochsens,
sticht er demnach gegen deiner Rechten her, so spring wol auß seinem stich gegen seiner Rechten, und stich von
deiner Lincken oberhalb seinem Rechten arm, in dem er hersticht mit außgestrecktem arm in sein gesicht.
Ⅱ.62r.1
37.2linked passage
37.3
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1570 Edition · fol. Ⅱ.62r.2
[Ⅱ.62r.2] Item schicke dich in die hut des Rechten Ochsens und merck so bald er auf dich her sticht, so trit mit deinem Lincken
fus auff dein Lincken seiten auß seinem stich, und folge behend mit deinem Rechten fuß auß gegen seiner Rechten,
zu gleich aber in solchen tritten laß dein klingen gegen deiner Lincken ablauffen, unnd neben der selbigen auch
umbschnappen, in die hut deß Lincken Ochsens, von dannen stich wie vor in dem er noch hersticht ober seinem Rechten
arm zum gesicht, so triffestu wie die kleinern bilder in hievorgedruckter figur A. zu sehen und stehst im Langenort
dasselbe muß behend in dem er her sticht zugohn.
Ⅱ.62r.2
37.3linked passage
37.4
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DIser stich wirt auff mancherley art zuwegen bracht, deren ich dir einen setzen will also, Wa du im zufechten, dein
gegenpart in der Eysenporten findest, so trawe ihm ein stich auß der Lincken Oberhut des Ochsens, mit außtretten
aussen uber seim rechten arme, gegen seim gesicht zufechten, doch also das du mit deim geFeß hoch bleibest,
Merckestu under deß, das er mit seim gefeß auffehrt gegen seiner Rechten, inn meinung, dein stich abzuwenden, oder
zuversetzen, so laß dein vordern ort, neben seiner rechten Achseln undersich sincken, und fahr, oder wechsel mit
demselbigen ort, under seinen Rechten arm durch, stich als dann erst recht volkomen inwendig seins rechten arms,
von unden auff zur gurgel. Also das in hineinfürung deines stichs, die lang schneid undersich, die kürtze ubersich stehe,
und dein wehr nach volendung des stichs im Langen ort hoch habest, so ist er auff dise art recht vollbracht, diser
muß geschwind und unversehens zu wegen bracht werden.
Ⅱ.62r.3
37.4linked passage
37.5
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DEr herz stich kan von oben, von der mitte unnd von unden ins werck gericht werden, auß allen aber merck hie
dise art, Hauwet einer von seiner Rechten, so Hauw auch von deiner rechtem uberzwerch gegen seinem wehr,
mit solchem hauw tritt wol mit deinem Rechten fuß under seiner klingen durch, gegen seiner Rechten, Also das du
im sein streich in die sterck deiner klingen auffangest, ihe näher bey seim gefäß und ihe höher in den Lufft das geschicht
je besser das ist, in dem aber das die klingen also zusamen glützen, so wende die spitz doch das dein kling an der seinen
bleibt, einwerts (das die halb schneid an sein lang schneid gekert sey) gegen seiner Lincken brust, und stich also an seiner
klingen bleibent hinein, wie das die grossen bossen inn der Figur welche mit dem buchstaben G. verzeichnet anzeigen,
in solchem allen merck fleissig, ob er von deiner klingen wolt abgehn, als bald du solches fülest, so wend
dein Lang schneid wider gegen seiner klingen, fahr also mit dem schnit an seiner klingen, bleibent, seiner klingen
noch fürsich gegen seinem leib und schawe wo du nach dem vortheil dieweil ansetzen kennest.
Ⅱ.62v.1
37.5linked passage
37.6
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DEn treib also, Hauwet dir einer außwendig zu deinem rechten schenckel, knie oder fuß, so fange ihm sein klingen
mit einem gegenhauw, von deiner Lincken auff, under des trit mit deinem Lincken fuß wol aus gegen
seiner Rechten, als bald die klingen zusamen rühren, so trit ferner mit deinem Rechten fuß fürbas zu ime, wende
in dessen die spitz under seiner klingen hinein ubersich, unnd stich ihm zum gemecht, oder sticht er dir anfangs von
Unden, so trit mit deinem Lincken fuß abermals gegen seiner Rechten beiseits aus, und führe ihm sein herfliegenden
stich von deiner Lincken gegen deiner Rechten, mit hangeter klingen auß, aber als bald dein klingen an die
seiner ühret, so bald trit auch mit deinem rechten fuß fürter zu ihme, und stich ihm under seiner klingen zum gemecht
wie vor.
Ⅱ.62v.2
37.6linked passage
37.7
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DIeser ob er wol auch auff vilerley art mag angefangen werden, so wirt er doch alwegen auff ein weiß geendet,
zu dem schicke dich also, steht dein gegenman in gerader versatzung, oder Eisenporten vor dir, so stich
ihm auß der rechten Underhut gerichts ubersich, inwendig seiner Wehr hart an seiner klingen zu seinem gesicht,
und im hinstechen so wende die Lange schneide gegen seiner klingen und deiner Lincken ubersich, truckt oder fürt
er dir dein klingen gegen seiner Rechten von ihm ubersich oder zur seiten auß, so laß die deine oben wider gegen dir
umbschnappen, also starck das sich dein klingen neben deiner Lincken undersich umb mit dem ort unden auff wider
ubersich under seiner klingen hinein verschwing, stich also mit verkehrter hand bey seinem rechten Arm under
seiner klingen hinein, wie du solches an den kleinern bossen in der Figur welche mit dem C. gezeichnet, zur Lincken
hand sehen kanst. Die spitz muß in disem stich im ersten schwung, mit umbschnappen angesetzt werden, sonst ist der
stich zu schwach.
Ⅱ.63v.1
37.7linked passage
37.8
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1570 Edition · fol. Ⅱ.63v.2
[Ⅱ.63v.2] Zuck als bald dein Wehr gegen deiner Lincken ab, unnd Hauw von dannen ein Wehrstreich durch sein Rechte Achsel, gesicht oder seiten, oder laß wider über dein hand umbschnappen, undstich ihm außwendig seines rechten
Arm wider zu seinem gesicht, also das in solchem fürstechen, die offen hand oben die halb schneid gegen seiner wehr
gekehrt stande, in solchem allem bucke dich mit deinem Kopff wol gegen deiner Lincken undersich auß seinem wehr,
disen stich muß er wehren und abwenden, als bald er dann solches thut, so führe die spitz ausserhalb seinem Arm wider
herumb, also das du in solchem umbfahren die hand wider wie vor verkehrst, und stich mit verkehrter hand wie
vor under seinem rechten Arm zum leib, folg mit dem Wehrstreich wie vorgelehrt nach.
Ⅱ.63v.2
37.8linked passage
37.9
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BEgegnet dir einer in der Eisen porten gerad vor ihme, so stich ihm auß der Underhut von deiner Rechten,
inwendig hart an seiner Wehr bey seinem gefeß, ubersich zu seinem gesicht, damit zwingestu ihn, das er mit
seinem gefeß ubersich auffahren muß, als bald du gewahr wirst das er mit seinem gefäß ubersich fehrt zuversetzen,
so hebe dein gefeß im hinein stechen auch ubersich, mutier dein Understich in ein Obern, und stich also hinder oder
neben seinem gefeß von uberzwerch zum leib.
Ⅱ.63v.3
37.9linked passage
37.10
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Oder stich ihm inwendig zum leib, als bald er dem stich begegnet mit versatzung, so wende die halb schneid einwerts
gegen seinem leib, und laß die kling under seinem rechten Arm gegen deiner Lincken seiten, under seiner
klingen durchlauffen, und laß also neben deiner Lincken seiten in der höhe umbschnappen, in die Hut des Lincken
Ochssens, von dannen stich ihm mit einem austrit gegen seiner Rechten, auswendig seines rechten Arms zum
gesicht, dise zwen stich sollen behend in einander lauffen.
Ⅱ.64r.1
37.10linked passage
37.11
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1570 Edition · fol. Ⅱ.64r.2
[Ⅱ.64r.2] Oder stich ihm außwendig uber sein rechten Arm zum gesicht, wendt er dir dein stich gegen seiner Rechten zur
seiten auß, so laß dein klingen als bald gegen deiner Lincken umbschnappen, wider in die Hut des lincken Ochsens,
trit under des mit deinem lincken fuß wol hinder deinem rechten Arm zu ihm, gegen seiner lincken seiten,
stich ihm also auß der Lincken Oberhut des Ochssens, mit einem zutrit deines rechten fuß, inwendig seiner Wehr
gegen seinem gesicht, aber die stich werden sonst auch auff vil weg gedoppelt, davon im andern theil weiter.
Ⅱ.64r.2
37.11linked passage
37.12
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IM zufechten füre ein gewaltigen stich auß der rechten Oberhut, des Ochsens gegen seim gesicht, im herstechen
aber so wende dein stich von unden auff mit eim weiten zutrit deines füß, und stich ihm under seim gefeß ubersich
zum bauch. Wann du disen Oberstich durch die rosen recht in ein understich verkerest, so scheinet es anfangs nicht
anders, dann als stehestu von oben, ehe dann er sichs aber versicht, so hastu unden troffen,
Ⅱ.64r.3
37.12linked passage
37.13
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1570 Edition · fol. Ⅱ.64r.4
[Ⅱ.64r.4] Item steht dein gegenpart
in der Eysenyorten[!] für dir, so stich ihm innwendig seines wehrs ubersich gegen sein gesicht fehl, also das dein
klingen gegen deiner rechten wider umbschnappe im rechten Ochsen, thu als woltestu ihm außwendig uber sein
rechten arm stehen, verfüre aber den stich in der lufft, und stich ihm von oben underhalb seiner wehr inwendig zu
seinem gesicht.
Ⅱ.64r.4
37.13linked passage
37.14
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DIser fliegendstich ist der fürnembste, welcher eim jeden Fechter sehr nothwendig zu wissen, den treib also, schicke
dich im zufechten in die underhut zur rechten, also das du mit den fussen nit zu weit von aneinander standest, auff [Ⅱ.64v.1] das du zu einem jeden stich ein zutritt haben mögest, zu dem, so soltu auch dein rechten arm im gelenck des Ellenbogens
in allen stichen steiff und so vil muglich ungebogen behalten, als dann verstelle dich mit beweglichen geberden
als woltestu albenzu hin stechen, und ob du wol dein spitz ettwas gegen im zeigest zu stechen, so verhalte doch dein wehr
listiglich bey dir in deiner volmacht, auff das so bald du dein gelegenheit (nach dem du in etwan mit ernsthafften geberden
verführet hast) ersihest, ihm unversehens wan unnd wo ers am wenigest vermeinet, flügen von dir gegen im
hin stehest, und das also behend mit einem fehrnern zutrit als wehr er von eim armbrust geschossen kommen, so behend
du nun hinein gestochen also behend soltu dein wehr wider zuruck in die obgemelt nebenhut gezogen haben, von
dannen soltu wo er ferner noch stehen wirt, von beiden seiten abschneiden und damit du solches stichs dester baß geübt
werdest so nim ein gewissen ort dahin du stechen kanst für dich, und stich mit einem zutrit auß der rechten underhut
fur dir hin also das du im antreffen deß stichs aller ding standest, wie das bild in der Figur so mit dem A. verzeichnet
außweißt als dann zuck dein wehr wider in das obgenannt läger, in solchem ruck dein fuß auch wider biß an sein
vorige stel, von dannen stich eilents abermals mit eim zutrit gegen im, verzuck dein wehr vom stich behend mit sampt
dem fuß wider zu ruck an sein stell &c. Das treib ein stich oder sechs.
Ⅱ.64r.5Ⅱ.64v.1
37.14linked passage
37.15
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1570 Edition · fol. Ⅱ.64v.2
[Ⅱ.64v.2] Dieweil es sich aber nicht (wie mit lebendigem leibe zeigen) beschreiben laßt, so soltu ihm mit ernstlicher übung
sampt des Fechtmeisters hilff, dester fleissiger nachdencken.