¶ Brüch auff die Leger im Spieß, sampt
andern geschwinden stucken.
IM zufechten findestu einen in der Dempffhut, so führe deinen Spieß in der Oberhut zum
streich, und schlage als bald von Oben nider gegen seiner hand (die er im Spieß vor führet) durch, mit disem
schlag wirstu ihn dahin reitzen, das er behendiglich nachstossen wirt, derenhalben Reisse deinen Spieß
in einem schwung starck wider ubersich, schlage ihm hiemit seinen stoß aus, und stosse behendiglichen nach.
Ⅲ.43r.4
47.1linked passage
47.2
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.43v.1
[Ⅲ.43v.1] Wie du an seinem Spieß herab schlagen, durchwechseln,
und auff der andern seiten hinein stossen solt.
ODer binde ihm mit gleicher Hut von deiner Lincken seiten an sein Stangen an, und schlage an seiner Stangen
durch nider, gegen seinen fingern, im schlag aber so wechsele under seinem Spieß durch, und stosse behend
mit einem außtrit, auff der andern seiten hinein. Gegen die aber, die nicht bald nachstossen, gebrauch das stuck also,
Nach dem du ihm wie oben gemelt, angebunden hast, so schlage ihm abermal wie vor, an seiner Stangen zu
seinen fingern nider, und fahre ihm hiemit unden durch, trauwe ihm auff der andern seiten mit ernstlichen geberden
zu stossen, in dem er aber deinem stoß entgegen fahren, und denselbigen versetzen will, so wechsel eilents wider
durch, auff das er mit seinem versetzen vergebens verfahr, und stoß ihm mit einem außtrit eben auf der seiten
(an welcher du den schlag volbracht hast) hinein.
Ⅲ.43v.1
47.2linked passage
47.3
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
ITem Wechsele abermals mit obgemeltem schlag durch, und schlag von der andern seiten krefftiglich uberzwerch
wider seinen Spieß, und (dieweil er noch also daumelt) so stosse im zur Blöß, Oder wo er hart wider helt, so
wechsel durch, und stoß auff der andern seiten. Führestu aber deinen Spieß in der Oberhut zum streich, und er
stoßt gegen dir her, zu welcher seiten er dann herstost, so trit du auff die ander, und schlage an seinem Spieß von
oben nider, als bald in solchem schlag der vorder ort seinem gesicht gleich kommen ist, so schiebe den Spieß für dir
hin, und mach also aus dem schlag ein stoß.
Ⅲ.43v.2
47.3linked passage
47.4
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
MErck wann einer in gerader versatzung, oder sonst in einer Hut darinnen er sein Spieß gerad vor ihm herführet,
dir begegnet, so binde im von deiner Lincken gegen seiner Rechten an, reitze in aldo mit geberden, trucken
und trauwen auff allerhand weiß, so lang biß er stoßt, und in dem er demnach herstoßt, so gehe mit dem hindern
theil deines Spieses, under dem seinen gegen deiner Rechten durch, und wende mit demselbigen gegen deiner
Rechten ubersich, also das du im seinen Spieß mit solchem ubersichwenden, gegen deiner Lincken abtragest,
davon besihe das ober Bild in der Figur D. zur Lincken hand, setze im demnach dein Spieß inwendig ans sein brust.
Ⅲ.43v.3
47.4linked passage
47.5
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
ALs offt du einem (der bald und leichtlich zum stoß zu bewegen ist) mit dem eussern theil deines Spieses uber die
mitte des seinen ahngebunden hast, so kanstu ihm gegen welche seiten du wilt, mit dem hindern theil in einem
abtrit durchwinden, und ihm durch wenden und austretten mit demselbigen uberisch fahren, damit du ihm seinen
Spieß gegen der seiten, von welcher du durch gewunden hast, nicht allein abtragest, sonder erholest dich auch hiemit
an zusetzen und zustossen nach deinem gefallen, zu solchem durchwinden gehört ein sonderliche bescheidenheit,
auch das du des fühlens gewiß seyest.
Ⅲ.44v.1
47.5linked passage
47.6
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
BEgegnet die einer in der Oberhut zum stoß, also das er sein Spieß auff seiner Lincken achsel ligen hat, so stelle
dich in den Wechsel zur Lincken, das ist die Lincke Underhut, von dannen schlage ihm mit dem deinen
starck wider sein Spieß, so nimstu ihm denselbigen von der achsel, ehe er sich dann vom schlag wider erholt, so stoß
der nechsten Blöß zu. Hergegen wann dir einer deinen Spieß von deiner Lincken achsel wolt ausschlagen, so wechsel
eben in dem er herschlecht, under seinem Spieß durch, auff das er mit dem schlag verfehle, und stosse ihm dieweil
er nach also im verfahren ist zur Blöß, Wilt du einem seinen Spieß wie oben gelehrt, ausschlagen, und wirst
gewahr das er dir durchwechseln will, so nim dich an sam merckestu es nicht, und schlage gleichwol mit ernsthafften
geberden gegen seinem Spieß, in solchem schlag aber behalte deinen Spieß gleichwol in voller gewalt, damit
du eben in dem er durchgeht, mit einem austrit zu stossen bereit seyest, oder auch von der andern seiten disen schlag
entgegen ausnemen könnest, und als dann erst volkomen nachstossest.
Ⅲ.44v.2
47.6linked passage
47.7
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
FIndestu deinen gegenfechter in der Nebenhüten eine, so stelle dich sam stossestu ernstlich der Blösse zu, in dem
er aber ubersich aufffehret, deinem stos zu begegnen, so zucke den deinen wider an dich, und Wechsel hiermit under
seinem Spies durch, stos also auff der andern seiten hinein.
Ⅲ.44v.3
47.7linked passage
47.8
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
WAnn einer vor dir in der Underhuten eine steht, und wil als dann ubersich gehn in die Oberhut, so nim war
in dem er noch im auffschwingen ist, so stoß ihm nach, so triffestu ihn auff solche weiß, wie dir das in der Figur,
A. an den obern bossen fürgemahlet ist, Dises nachstossen soltu in allen banden wahrnemen, das du so bald
er abgehet, und noch im abgehn ist, nachstossest.
Ⅲ.45r.1
47.8linked passage
47.9
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
VOm verstossen merck dise Regel also, wann du dich mit einem begirigen stoß, auff was weiß das geschehen
sey, verstossen hast, so spring mit dem vordern fuß zu ruck, und zucke das hinder ort ubersich, wie du solches
an dem obern Bilde zur Rechten hand, in hievor getruckter Figur H. sehen kanst, thrage ihm also alle seine nachstöß
ab, und greiffe under des mit der Lincken hand wider in dein Stangen, erschwing dieselbige wider in dein
krafft und volmacht, biß in die Huten (so dir gelegen) eine, wie dir dann solches die übung weiter offenbahren
wirdt.
Ⅲ.45r.2
47.9linked passage
47.10
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.45r.3
[Ⅲ.45r.3] Ein ander gut stuck damit du ihn aus seinem
vortheil abreitzen kanst.
FIehre deinen Spieß in der Underhut auff deinem fürgesetzten schenckel, unnd gibe demselbigen durch bewegliche
gewicht einen schwang, in dem sich nun also das vorder theil deines Spieses ubersich schwinget, so stosse
gleich im demselbigen schwung, mit ausgestreckten armen ubersich gegen seinem gesicht, dieweil als dann dein
Spieß im eussersten flug ist, so wirdt er eilents (nach dem er deinem stoß entwichen) nachstossen, darumb zucke
dein hend noch höher uber dein kopff, und sencke das vortheil deines Spieses undersich, schlage ihm also seinen herfliegenden
stoß mit hangendem Spieß zur seiten auff solche form aus, wie dir dann solches das ober Bild zur Rechten
hand in der Figur M. anzeigt, erschwinge eilents deinen Spieß, und stoß ehe dann er sich erholt, nach.
Ⅲ.45r.3
47.10linked passage
47.11
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
ITem führe deinen Spieß in der Oberhut, und mercke in dem er herstoßt, so sencke das vorder theil, und schlage
ihn abermals aus, unnd vollende wie vor, Aus disem stuck seind vil andere stuck zunemen, doch gehört ein
starck Mann darzu.
Ⅲ.45r.4
47.11linked passage
47.12
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.45v.1
[Ⅲ.45v.1] Wie du deinen Spieß mit einer hand erschwingen,
und hinein stossen solt.
IM zufechten schicke dich mit deinem Spieß nach außweisung des obern kleinern Bildes, zur Lincken hand in
der Figur L. für den man, als bald er demnach herstost, so erschwing deinen Spieß von deiner Rechten gegen
deiner Lincken, vor deinem gesicht herumb, wie du solches an obgedachtes Bildes geberden mercken kanst, also
das du im in disem schwang mit dem hindern theil deines Spieses den seinen ausschlagest, oder im austretten aus
seinem entweichest, in dessen trit zugleich auch mit deinem Lincken hinder deinem Rechten zu ihm, also das du im
den rucken zukehrest, und stoß also noch in krafft unnd gewicht des ersten schwungs, neben deiner Rechten zuruck
ubersich gegen seinem gesicht, zu solchen stoß trit auch mit dem Rechten fuß hindersich zu im, als bald der stoß volbracht,
und in dem dein Spieß noch vornen auff die erden falt, so bleib mit dem Rechten fuß stan, mit dem Lincken
aber trit ein weiten schrit von ihm, und sencke den obern leib wol vom man, fürsich uber dein Linck kni, welches
dann wol fürsich gebogen sein soll, und zieh hiemit den hindern ort mit der Rechten hand zu dir, biß hart neben
dein Lincken fuß, auff die erden, unnd wart alda auff sein herstossen, so bald er demnach herstost, so schwinge
deinen Spies gewaltig, abermal mit einer hand von deiner Lincken ubersich gegen deiner Rechten, zu solchem
schwung trit mit deinem Lincken fuß gleich in einem sprung, wol aus gegen seiner Rechten, stoß also mit einer
hand (dieweil dein Spieß noch also in der lufft durch krafft des schwungs fleugt) von Oben gegen seinem gesicht
und merck das du in disem allem, deinen Spieß bey dem hindern ort also gefast solt haben, das im halten des Spieses,
der kleine finger mit dem halben handschlag der Stangen werts hinein, und der daumen sampt dem zeiger, vornen
am ort heraus stehe.
Ⅲ.45v.1
47.12linked passage
47.13
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
LEgere dich auff solche form für den man, wie dir solches an dem obern Bilde, in der Figur B. zur Rechten hand
fürgestelt, und anzeigt ist, und schiebe dein Spieß in eim ruck, also mit einer hand von dir, und ruck den eilents
mit dem hindern ort gegen deiner Lincken ubersich wider zu dir, auff das er sich eben in solchem rucken vornen ubersich
heb und erschwing, in disem ubersich schwingen trit wol auff dein Rechte seiten gegen ihm, und stoß abermals
mit einer hand gegen im.
Ⅲ.45v.2
47.13linked passage
47.14
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
EInlauffen im Spieß seind zweierhand, ein geschicht mit dem hindern, das ander mit dem vordern ort, das mit
dem vordern ort threib also, Binde ihm von deiner Lincken hart gegen seiner Rechten, an sein Spieß stangen
an, und merck in dem er herstost, so trit du mit deinem Rechten fuß gegen seiner Lincken, mit wol fürsich gebucktem
kopff aus seinem stos, und wende zugleich mit deinem hindern theil, under seinem Spieß gegen deiner Rechten
durch, im durchwenden aber führe das hinder theil deines Spies behend, auch gegen deiner Rechten ubersich,
damit du ihm seinen stos gegen deiner Lincken seiten abtragest, under des gehe mit deinem Kopff zwischen deinen
beiden armen gegen deiner Rechten durch, und lasse zugleich auch die Rechte hand vom vordern ort ab, und greiff
mit derselbigen (in einem behenden zusprung gegen seiner Lincken seiten) für dein Lincke hand, wider an dein
Spieß, also das dein hinderer ort ob deiner Lincken achsel ausgang, so versetzestu und triffst eben auff solche weiß
wie dir solches in der Figur E. an dem obern Bild zur Lincken fürgemohlet ist.
Ⅲ.46r.1
47.14linked passage
47.15
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
ITem setze den hindern ort deines Spieses an den dein Lincke hüfft, und schauw wie du ihm ursach gebest, das er
dir gegen deiner Lincken seiten herstosse, als bald er herstost, so lasse die Rechte hand von dem hindern ort ab,
und lasse dasselbige hinder ort neben deiner Lincken zuruck hindersich durchschiessen, auch spring zugleich mit deinem
Rechten fuß gewaltiglich gegen seiner Lincken seiten hinein, und greiff under des mit deiner Rechten hand für deine
Lincke hinein, wider an dein Spieß, und lauff abermal nach außweisung obgemelter bossen hinein.
Ⅲ.46r.2
47.15linked passage
47.16
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.46r.3
[Ⅲ.46r.3] Das ander Einlauffen mit dem hinderen ort, treib gegen die welche im Fechten ihren Spieß vornen ubersich
führen, dann wan ihr einander habt angebunden, und im band bleibent, mit beiden Spiesen hoch uberisch kommen
seind, so kanstu ihm mit dem hindern ort einlauffen, nach deinem vortheil und gefallen.
Ⅲ.46r.3
47.16linked passage
47.17
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.46r.4
[Ⅲ.46r.4] Letstlich damit ichs auff dißmal belschliesse, so soltu wissen, das du in deren Wehren keinem, se sey in Stangen
Helleparten oder Spieß, dich leichtlich aus deinem vortheil geben, nach daraus abreitzen lassen solt, du habest in[Ⅲ.46v.1] dann nicht allein gewiß, sondern solt auch fleissig bedencken, ob du ohn schaden deine Wehr wider vom gethonen
stoß in deinen gewalt bringen, und bey zeit seinem nacheilen (wo dir dein stoß gefehlt het) entspringen unnd versetzen
mögest, Findestu aber deinen gegenfechter zu seinem vortheil in einem Leger, so stosse nicht ohne sondern
vortheil zu seine Blöß, sonder schauwe, wie du ihn mit anbochen, rucken, durchwechseln, und trucken, biß weilen
auch mit verzuckten stössen, auß seinem vortheil auffbringen, und abreitzen könnest, unnd als bald er ab oder
auffgehet, oder anfacht zu arbeiten, so greiff und fach deine stuck an, zu dem so soltu fleissig in allen anbinden auffmercken
und fühlen, ob er hart oder weich im widerhalten sey,
Ⅲ.46r.4Ⅲ.46v.1
47.17linked passage
47.18
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.46v.2
[Ⅲ.46v.2] Item ob er bald oder langsam nachstosse, auch im
hinein stossen also fürsichtig und bescheiden sein, auff das wo du under dem hinein stossen fühlest, das er behend
nach oder zugleich stossen will, so soltu denselbigen stoß nicht volnführen, sonder aus demselbigen in ein absatz
verwenden, und als dann erst volkomen nachstossen, also in allen stucken mache dich geübt, und im Fechten bald
bedacht.
Ⅲ.46v.2
47.18linked passage
47.19
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.46v.3
[Ⅲ.46v.3] Ein kurtze lehr wie du deinen Spieß in in ernstlichen sachen
zu Feld brauchen, und nach deinem vortheil führen solt.
DEr Spieß vordert einen starcken ernsthafften und besosten man, der seinen Spieß wisse fürsichtiglich zu regieren,
auch seine stoß gewiß ansetzen, und zu rechter zeit ins werck richten könne, dann es leicht geschehen kan,
das du mit einem fehl stoß, in uhnwider bringlichen schaden (sonderlich dieweil der Spieß von seiner lenge wegen,
ein fürtrefflich gewicht hat) gerahten und komen kanst, derhalben soltu dich befleissen, einen rechten underscheid
zwischen dem Vor und Nachstossen zuhalten, dessen ich dir dann durch volgende exempel, ein kurtze lehr und
regel geben will, dann wie bald sich einer verstossen, so er zur uhnzeit unnd doll angreifft, bezeuget gnugsam die
erfahrung.
Ⅲ.46v.3
47.19linked passage
47.20
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.46v.4
[Ⅲ.46v.4] Nun für das erste, begegnet dir dein feindt mit gleicher Wehr, das ist mit gleichem Spieß, so nim war ob er
geh und zornig sey mit seinem angriff, also das er eylet am ersten zustossen, so nim dich an, und stelle dich mit ernsthafften
geberden, als woltestu ihm seinen vorstoß ablauffen, und zuvoren komen, damit bewegestu ihn das er noch
mehr mit seinem vorstoß eylen wirdt, aber du solt (ob du dich wol also stellest) nicht zu erst stossen, sonder schlage[Ⅲ.47r.1] im seinen stoß in einem ruck auff ein seiten, und setze im ins gesicht, ist er aber so starck mit seinem Spieß, also das
du dir mit dem ersten ausschlagen nit so vil raum machen kanst, also das du in treffen mögest, so thu im also, nach
dem du im den ersten ausgeschlagen hast, und er erholt sich behendiglich wider, so schlage im dieweil er noch seinen
Spieß wider nachsich oder zusich zeucht, von der andern seiten auch darwider, wann du dise zwen außschleg recht
machest, so wirt dir gewiß so vol blatz werden, das du ihn in einem augenblick, ehe er sich recht erholt, in sein gesicht
stechen kanst, dann dem der also begirig und zornig stost, ist leichtlich sein Spieß zu nemen und auszuschlagen.
Ⅲ.46v.4Ⅲ.47r.1
47.20linked passage
47.21
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
IM angriff füre deinen Spieß mit dem eisen wol undersich, ein wenige gegen deiner Lincken seiten aussehent,
also das dir dein gantz gesicht entblöst ist, dadurch er auch angereitzt wirdt, demselbigen mit einem stich zu zu eylen,
als bald er hersticht, so fahre auff mit beiden henden, und schlage im seinen herfliegenden stoß, von deiner Lincken
mit Langer schneid von unden uberisch gegen deiner Rechten aus, zu solchem außschlagen springe mit deinem
Lincken fuß wol gegen seiner Rechten aus, zu im und stich im behendiglich (ehe dann er sich vom ausschlagen wider
erholt hat) augenblicklich oberhalb seiner Spießstangen in sein gesicht.
Ⅲ.47r.2
47.21linked passage
47.22
No translation yet — showing the Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens transcription.
1570 Edition · fol. Ⅲ.47r.3
[Ⅲ.47r.3] Wann aber dein feind auch fürsichtig und nicht zu erst stossen wolt, derhalben dir nicht gebiren wolt, auch also
zu stehn, sondern mußt zu erst stossen, so thu im also, Im angriff (nach dem du deinen Spieß erschwungen) so füre
einen gewaltigen stoß mit grimigen geberden, neben seinem Spieß gegen seiner Rechten hinein, aber in solchem
hinein stechen verhalt dein Spieß gleichwol in gewaltiger sterck, und lasse das eisen in disem stich, wo du ihn nicht
treffen kanst, zur seiten aus ein wenig undersich sincken, sam habestu durch etwas hindernus mit ohnwillen verfehlt,
du aber solt dich mit dem (das du deinen Spieß ein wenig auff ein seiten faren last) zu einem gewaltigen ausschlag
erholen, und in dem er eben hersticht, so spring mit deinem Lincken fuß wol gegen seiner Rechten zu im, und schlag
im hiemit seinen Spieß in solchem zutrit gewaltiglich ubersich, von deiner Lincken gegen deiner Rechten aus, und
fahr in dessen mit beiden henden ubersich, und stich im oberhalb seinem Spieß in sein gesicht, Dises alles verstand
wann du dein Lincke hand im Spieß vor fürest, wo du aber die ander vor fürest, so mustu die stöß sampt dem stuck
gegen seiner Lincken füren und vollenden, gleich wie du es zuvoren gegen seiner Rechten volbracht hast, auch soltu
hie mercken das es im werck nicht so lang zugaht, als lang sie darvon gelehrt und geredt wirdt, sondern muß alles[Ⅲ.47v.1] augenblicklich geschehen und zuwegen bracht werden, Was aber weiter von solchen stucken von nöthen, wirdt an
einem andern ort, wie auch von den uhngleichen Wehren, nach der lenge dargethon und gelehrt werden.